Kultur bei der Schlaraffia in Zürich entsteht im eigenen Kreis: Dienstags tragen die Mitglieder von Turicensis in der Granitburg zum Ackerstein in Höngg eigene Verse, Limericks und Vorträge vor, das Reychsorchester spielt auf, und im Turney wetteifern die Künste. Gäste hören zu, Beginn ist um 20 Uhr.
Ein Orchester im zweiten Untergeschoss
Wer in die Granitburg hinabsteigt, findet dort einen eigenen Platz für das Reychsorchester, denn in Höngg gilt: Ohne Musik ist alles nichts. Schon die Gründer von 1880 trugen Namen wie Blondel der Notenkopf und Tonika, die eher nach Notenpult als nach Turnierplatz klingen. Heute widmet das Reych der Musik ganze Abende. Bei der Musikersippung greifen die Sassen selbst zu den Instrumenten, und an einem anderen Dienstag heisst es „Jazz ist in der Burg“, Swing unter dem Uhu. Beide Abende stehen mit dem Vermerk „mit Bgf.“ im Kalender, das bedeutet: mit Burgfrauen.
Limericks mit olympischem Ehrgeiz
Für die Wortkunst hat Turicensis ebenso klare Formate. Bei der Limerick-Olympiade, im Kalender kurz LOL genannt, treten fünfzeilige Gedichte gegeneinander an, und die Pointe in der letzten Zeile entscheidet. Beim Turney um den Ehrenschlaraffen-Orden Grüner Heinrich messen sich die Beiträge in einem Wettstreit der Kunst [bitte bestätigen: Geht der Name des Ordens auf Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“ zurück?]. An einer Schlaraffiade im Frühjahr legen Anwärter ihre Ritterarbeiten vor, also das künstlerische Gesellenstück vor dem Ritterschlag. Und weil Humor auch Leichtgewicht verträgt, gibt es eine Wurstsippung unter dem Motto „Heute ist alles Wurst“ sowie eine Sippung der Uhu-Zunft, bei der die Weisheit Federn trägt.
Gewobene und gemalte Reychsgeschichte
Die Granitburg ist selbst ein kleines Kunstkabinett. Ein Wandteppich zeigt den Einritt des Thrones aus den Jahren 1912 und 1913, hinter dem Thron hängt das Wandbild „Alt Zürich“, und vier bemalte Scheiben stammen aus der Burg des weiland Rt Canari. Rostra, Zepter und Reychsschwert ergänzen das Bild. Die Schmierbücher, die Aufzeichnungen des Reychslebens, reichen von 1925 bis 2017. Über allem steht ein Wort aus Goethes „Faust“, das sich Turicensis zu eigen gemacht hat: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.“ Mehr über die Ausstattung erzählt die Seite Die Granitburg zum Ackerstein.
Neben Opernhaus und Tonhalle
Zürich ist eine Kulturstadt von Rang, mit Opernhaus, Tonhalle, Schauspielhaus und Kunsthaus. Dort wird Kunst dargeboten und bewundert. In Höngg geht es um die andere Seite: Hier sind Vortragende und Zuhörer dieselben Leute, und wer am einen Dienstag zuhört, steht vielleicht am nächsten mit eigenen Zeilen an der Rostra. Seit 1880 hält Turicensis diese Form der Kleinkunst in Zürich am Leben, ausdrücklich auch für Expats, die Deutsch verstehen.
Hinabsteigen und zuhören
Als Gast müssen Sie weder dichten noch musizieren. Da nicht jeder Dienstag ein Sippungsabend ist, lohnt vorher ein Blick in die Veranstaltungen; Fragen zu Anmeldung, Kosten und Kleidung beantworten die häufigen Fragen. Was Schlaraffen weltweit miteinander verbindet, erklärt schlaraffenfreunde.de unter Schlaraffia in der Übersicht.
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